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Giampietro Rosato verführt beim Klavierfestival Ruhr das Publikum im Fürstensaal von Schloss Hohenlimburg im italienischen Stil. Er bietet eine Entdeckungsreise durch die Geschichte der italienischen Cembalomusik, das Publikum lauscht ebenso neugierig wie verzaubert.

Hagen.. Der Fürstensaal von Schloss Hohenlimburg ist der kleinste, aber sicherlich schönste Spielort des Klavierfestivals Ruhr. Hier hat traditionell das Cembalo seinen großen Auftritt, und die exquisiten Konzerte der vergangenen Jahre haben diesem Programmpunkt inzwischen eine Fangemeinde gesichert, die von weither kommt. Eine Entdeckungsreise durch die Geschichte der italienischen Cembalomusik hat Giampietro Rosato für seinen Auftritt im historisch passenden Ambiente auf der alten westfälischen Höhenburg im Gepäck.

Verzauberte Klänge

Das Publikum lauscht ebenso neugierig wie verzaubert Klängen, die heute nur selten zu hören sind, zum Beispiel der „Sonata Cromatica“ von Tarquinio Merula, die zeigt, wie die Komponisten die harmonischen Abenteuer auskosten, die mit dem damals noch recht neuen Instrument Cembalo möglich sind.

Venedig ist das Epizentrum des italienischen Stils, der den europäischen Markt restlos erobert. Tanzsätze werden auf den Kielflügel übertragen, und man liebt die harfenartig gebrochenen Akkorde, die rauschende Klangfülle simulieren. Girolamo Frescobaldis „Toccata Nona“ interpretiert Rosato im expressiven Stil des Frühbarocks mit herausgestellten Kontrasten und einem aufregenden Triller-Finale. Frescobaldi, Organist am Petersdom in Rom, war übrigens derart populär, dass Tausende von Besuchern zu seinen Orgelkonzerten gekommen sein sollen.

Das Cembalo verlangt genaues Hinhören. Die Kunst des Spiels vollzieht sich hier im Leisen und in der delikaten Abstufung. Rosato zaubert mit Vierfuß- und Achtfuß-Register, Koppel und Lautenzug köstliche Kontraste zwischen intim und höfisch. Man überträgt auch sehr gerne Naturlaute auf das Instrument wie in Bernardo Pasquinis humorvoller Kuckucks-Toccata.

In der zweiten Programmhälfte geht es um die Meister des Instruments in seiner Blütezeit: Francesco Durantes virtuose Fuge und Azzolino Bernardino della Ciajas Sonata mit der eröffnenden Toccata, die Johann Sebastian Bach zum Vorbild gedient haben mag.

Qualitativer Sprung

Giampietro Rosato macht zudem deutlich, welchen qualitativen Sprung die italienische Cembalomusik mit Domenico Scarlatti und Baldassare Galuppi macht: Hier geht es nicht mehr um Kunststückchen, nun stehen plötzlich Emotionen im Mittelpunkt und dazu eine geradezu überbordende Entwicklung der Spieltechnik.

Das einmanualige italienische Cembalo ist dem zweimanualigen französischen an Pracht nur scheinbar unterlegen, denn Rosato spielt dessen Stärken meisterlich heraus: Er entlockt ihm einen unvergleichlich silbrigen Klang voller Anmut und Poesie. Zwei Zugaben verlangt das begeisterte Publikum: Den langsamen Satz aus BWV 972, mit dem sich Bach vor den Italienern verbeugt, und Scarlattis hypervirtuose Sonata K 260.

Monika Willer
Der Westen, 14.06.2013